Kultur und Öffentlichkeit zwischen digital und analog

Die Idee hinter dem Festival net:works

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Wir sind im Zeitalter der digitalisierten Netzwerk-Gesellschaft angekommen: wir haben Zugriff auf das Wissen der Welt, können Ideen und Meinungen publizieren und der Weltöffentlichkeit präsentieren, halten pausenlos Kontakt. Der Paradigmenwechsel ist vollzogen, die Revolution Alltag – für niemanden ist das Netz noch länger Neuland. Längst geht es nicht mehr darum, dafür oder dagegen zu sein.

Es geht darum, wie wir mit diesen allumfassenden Veränderungen umgehen.

Zeit, Fragen zu stellen: Was hat diese Entwicklung mit uns gemacht? Haben wir durch das Internet, durch die Digitalisierung und Vernetzung neuen Spielraum gewonnen, um unseren Lebensraum zu gestalten? Können wir zwischen der virtuellen und realen Welt frei wählen und haben so mehr Möglichkeiten – oder sind wir beschränkter? Vor welchen Problematiken stehen wir nun, jetzt, da wir unbegrenzt Input haben, der  jederzeit zur Verfügung steht?

Was ist richtig und wichtig, und nach welchen Gesetzmäßigkeiten sollen wir uns richten, da jegliche Vorgaben und Richtlinien zu fehlen scheinen?

Medienrevolutionen sind seit jeher Bestandteil der menschlichen Kulturgeschichte und setzen Dynamiken im Prozess der Zivilisation frei. Wir müssen anerkennen, was die digitale Öffentlichkeit ermöglicht: mit wenigen Klicks internationale Aufmerksamkeit zu schaffen und global zu mobilisieren. Schon lange vollzieht sich die Kommunikation in digitalen Netzwerken nicht mehr unsichtbar über verborgene Netzwerke – ganz im Gegenteil. Etablierte Parteien betreiben offiziell Wahlkampf via Facebook und der Arabische Frühling oder die Occupy-Bewegung wären ohne Blogger und virtuelle Plattformen so nicht denkbar gewesen.

Welche Konsequenzen ergeben sich für den Kulturbetrieb?

Von Kulturschaffenden wird die neue Öffentlichkeit genutzt, um Projekte zu finanzieren, virtuelle Führungen durch Museen anzubieten, Livestream-Lesungen direkt in die Wohnzimmer der Interessierten zu bringen und Kritiken von Besuchern im Netz zu verbreiten. Doch welche Konsequenzen hat dies für den Kulturbetrieb? Wozu brauchen wir noch Museen, wenn die Exponate längst im Netz stehen, wozu Stadtbibliotheken, wenn E-Books mobil heruntergeladen werden können? Wozu Journalisten, wenn heute jeder die Möglichkeit hat, Rezensionen zu veröffentlichen? Es entsteht eine neue Schicht von Internetnutzern: „Prosumenten“, die gleichzeitig Produzenten und Konsumenten der genutzten Inhalte sind. Diese Prozesse finden häufig unter Ausschluss bestimmter gesellschaftlicher Gemeinschaften statt.

Es entsteht die Frage nach Parallelgesellschaften und Gegenöffentlichkeiten, nach Qualitätskriterien und Exklusion an Entwicklungen im öffentlichen digitalen Raum.

net:works möchte eine Reflektionsfläche auf dem Gebiet der neusten Entwicklungen in der digitalen Kommunikation bieten, ausprobieren, sich vortasten, Innovationen auf ihre gesellschaftlichen Einflüsse hin beleuchten, künstlerisch aufarbeiten und hinterfragen – und somit eine Brücke schlagen zwischen der Bevölkerung des Großraums und den genannten Prozessen. Bedeutet die Veränderung von Kommunikation und Öffentlichkeit für den Großraum eine Auflösung der traditionellen städtischen Kommunikation und Teilhabe am öffentlichen Leben? Vor welchen Veränderungen stehen klassische kulturelle städtische Institutionen, und sind sie als Orte des Austausches und der Erlebnisvielfalt obsolet geworden? net:works stellt diese Fragen, rückt Ansätze in den Fokus und begibt sich auf die Spurensuche im digitalen Alltagsdickicht des Großraums.

Jana Tischer am 1. Mai 2015

1 Kommentar

  • Rainer Hertwig

    ubouzgub

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